Mit dem Fahrrad unterwegs - was muss besser werden?

Der Radverkehrsanteil an allen zurückgelegten Wegen liegt im Bundesdurchschnitt bei 10 %.
Zum Vergleich: in den Niederlande sind es bereits 31 %.
Vergleichbare Zahlen schaffen in Deutschland nur wenige Städte wie z.B. Münster mit 38 % (siehe Quelle 1).

Um das zu verbessern wurde am 5. September 2012 der Nationale Radverkehrsplan 2020 beschlossen.
Konkretes Ziel des Plans ist es, den Anteil der Radfahrer in Deutschland auf 15 % zu erhöhen.

Wie hoch ist der Finanzbedarf, um das zu erreichen?
Bei den Städten und Gemeinden ist ein Bedarf von 8 - 19 € pro Person pro Jahr,
in den Landkreisen 1 - 6 € ermittelt worden.

Was sind die positiven Effekte einer Zunahme des Radverkehrs?
Investitionen in den Radverkehr führen zu Einsparungen im Gesundheitsbereich, bei den Umweltkosten und anderen Infrastrukturausgaben.
Für jeden geradelten Kilometer hat die WHO Gesundheitseffekte von 0,125 € errechnet.
Die Lärmbelastung in den Städten kann reduziert werden.
"Allein im westlichen Teil der Europäischen Region gehen aufgrund von verkehrsbedingtem Lärm jährlich mindestens eine Million gesunder Lebensjahre verloren" (WHO: "Krankheitslast aufgrund von Umgebungslärm. Quantifizierung des Verlusts an gesunden Lebensjahren in der Europäischen Region")

Aus wirtschaftlicher Sicht werden pro Jahr 4 Mio Fahrräder verkauft, der Umsatz inkl. Zubehör liegt bei 5 Mrd. € / Jahr.
(In Deutschland gibt es derzeit ca. 70 Mio Fahrräder)

Woran liegt es, dass in Deutschland erst 10 % mit dem Fahrrad unterwegs sind?
Der ADFC berichtet im Fahrrad-Monitor Deutschland 2011 (Q:2):
"knapp die Hälfte der Radfahrer fühlt sich im Straßenverkehr nicht sicher".

Lösungen muss man nicht neu erfinden, die Stadt Kopenhagen zeigt, wie es gehen kann (Q:4):
- Bis zu vier Meter breite Fahrradwege (überholen überall möglich), die hindernisfrei durchgehend verlaufen und klar von den Kraftfahrzeugspuren getrennt sind.
- Fahrradschnellstrassen, die die Vororte anbinden.
- Service: Alle 1,6 Kilometer Servicestationen mit Luftpumpen, und vor den Ampeln Haltegriffe nebst Trittbrett
- grüne Wellen für Radfahrer
- eigene Brücken
- privilegierte Abbiegespuren
- bevorzugte Behandlung bei der Schneeräumung

Dabei muss die Routenführung soweit wie möglich vom Autoverkehr getrennt sein.
Denn eine Untersuchung hat gezeigt: Die Luftschadstoffbelastung ist für Fahrradfahrer höher als für Autofahrer:
Zwar ist die Luft in den Autos fast immer schlechter als in der Umgebung.
Dennoch nehmen Radfahrer mehr Schadstoffe auf: "Weil sie sich körperlich anstrengen, atmen Radler schneller und tiefer. Etwa 2,3-mal so viel Luft wie ein Autofahrer nehmen sie in der gleichen Zeit auf. " (Q: 3)

MB

Quellen:
1) Nationaler Radverkehrsplan 2020
2) Fahrrad-Monitor Deutschland 2011
3) Gefahr durch Abgase (Spiegel)
4) Fahrrad Schnellweg Kopenhagen